Politik

Seit Januar 2006 ist Präsident Evo Morales im Amt. Er und seine Partei, die Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo oder MAS) haben dem Land wichtige politische und soziale Veränderungen gebracht. So hat seine Regierung mit der Unterstützung der verschiedenen indigenen sozialen Bewegungen einen neuen Plurinationalen Staat Bolivien gegründet. Dieser neue Staat hat es sich zur Aufgabe gemacht, die 36 im Land ansässigen indigenen Nationen erstmals offiziell anzuerkennen und ins politische Leben Boliviens zu integrieren.

Dies wurde mit der in 2009 verabschiedeten Verfassung erreicht. Einerseits wurden damit die Rechte aller indigenen Gruppen in der Verfassung verankert. Dabei handelt es sich nicht nur um Menschenrechte und politische Rechte, sondern auch um soziale Rechte, wie z.B. das Recht auf Trinkwasser. Anderseits hat die Verfassung dem Staat auch eine zentrale Rolle im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben zugeschrieben. Darüber hinaus wurden unter der Regierung von Evo Morales auch Gesetze zur Förderung der Infrastruktur und zur Erfüllung sozialer Bedürfnisse erlassen. Ein solch großes Unterfangen konnte durch die Einnahmen der Erdgasförderung finanziert werden. So ist Bolivien der zweitgrößte Erdgasproduzent in Südamerika.

Gleichzeitig hat Morales seine Macht gefestigt und die verschiedenen Einrichtungen des öffentlichen Lebens sowie die Medien fest unter seine Kontrolle gebracht. Daher werfen Regierungskritiker Morales autoritäre Tendenzen vor, konkret seine immer härtere Linie gegenüber einer relativ unabhängigen Presse, seine gezielte und bis jetzt auch erfolgreiche Einschränkung der Einflussmöglichkeiten der Opposition, vor allem aber auch seine Absicht, länger als laut Verfassung vorgesehen an der Macht zu bleiben.

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Wirtschaft

Die bolivianische Wirtschaft hat sich in der Zeit von Morales Präsidentschaft in eine zentral gesteuerte Wirtschaft verwandelt. Das kann als der größte Erfolg dieser Regierung angesehen werden. Das Modell stützt sich einerseits, wie schon gesehen, auf die Einnahmen der Erdgasförderung und andererseits auf den Verkauf von Mineralien wie Zink, Gold und Wolfram, und nicht zuletzt durch den Verkauf von Soja. Vor allem aber konnte das Land von höheren Erdgaspreisen profitieren. So haben diese Einnahmen über Jahre hinweg ein relativ stabiles Wirtschaftswachstum, stabile internationale Reserven und eine kontrollierbare Preisentwicklung ermöglicht.

Ein weiteres Merkmal dieses Wirtschaftsmodells spielt die sogenannte Einnahmenverteilung. Diese bezieht sich auf die Gründung verschiedener staatlicher Firmen in der Manufaktur-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie und in der Landwirtschaft seitens der Regierung, mit dem Ziel, Industrialisierung des Landes voranzutreiben und eine Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur zu gewährleisten.

Außerdem wurden Projekte zur Förderung von Infrastruktur und Sozialeinrichtungen finanziert, Letzteres zielt auf Hilfen für schwangere Frauen, Rentner und Schulkinder. Auch zur Bekämpfung der Armut waren dies wichtige Schritte. Allerdings sind weitere Schritte nötig, um die Armut im Land zu beenden. Die Privatwirtschaft spielte in allen den Programmen eine sehr geringe Rolle.

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Internationale Kooperation

Bolivien unterhält schon lange Beziehungen mit Partnern in der Internationalen Kooperation und Entwicklungshilfe. Seit den 1960er Jahren sind eine ganze Reihe multilateraler Organisationen in Bolivien aktiv, so die Weltbank, die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank und Organisationen des Systems der Vereinten Nationen (z.B. der Landwirtschaftliche Fond für Internationale Entwicklung, der Fond für Kinderentwicklung, der Fond für Bevölkerungsentwicklung, die Nahrungsmittel- und Landwirtschaftsorganisation, die Panamerikanische Gesundheitsorganisation und das Programm für Entwicklung).

Die verschiedenen Arten der Kooperation finden zwischen dem bolivianischen Staat und den in Bolivien tätigen Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen statt. Schwerpunkte sind die Finanzierung von Entwicklungsprojekten in der Infrastruktur und in den Bereichen der Gesundheit, Bildung, Armutsbekämpfung, der Stärkung staatlicher Strukturen und guter Regierungsführung.

Von den in Bolivien tätigen Organisationen kann man drei Typen unterscheiden:

Erstens gibt es die multinationalen Organisationen, wie die Weltbank, die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank, der Nordische Fond für Entwicklung, die VN und die EU. Zweitens gibt es bilaterale Abkommen zwischen Bolivien und den Entwicklungsorganisationen von Deutschland, Belgien, Kanada, China, Südkorea, Dänemark, Spanien, Frankreich, Italien, Japan, Schweiz und Schweden. Schließlich gibt es drittens verschiedene Süd-Süd-Kooperationsabkommen (Kooperation zwischen Entwicklungsländern).

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Gesellschaft und Kultur

Die bolivianische Gesellschaft hat sich recht stark verändert, seitdem Morales an der Macht ist. Heutzutage hat die indigene Bevölkerung eine erkennbare Selbstsicherheit gewonnen, auch ist deren bedeutende Rolle in Politik und Gesellschaft deutlich spürbar geworden. Auch in der Gender-Frage hat sich einiges getan. So gibt es heute mehr Frauen, die sich aus ihren traditionellen Rollen befreit haben und sich in der Politik als Abgeordnete, Minister oder auf der lokalen Ebene als Führungspersonen engagieren. Zudem hat sich die Gesellschaft stark urbanisiert. Die Städte Santa Cruz de la Sierra und El Alto de La Paz haben hunderttausend neue Bewohner gewonnen und sich dadurch zu den größten Städte Boliviens entwickelt.

Auch im kulturellen Bereich hat sich die bolivianische Gesellschaft sehr entwickelt. In den letzten Jahren sind verschiedene folkloristische Tänze sowie einzelne Städte weltweit bekannt geworden. Einige kulturelle Ereignisse haben sogar den Titel ‚Erbe der Menschheit‘ erhalten, wie z.B. der Karneval von Oruro. Natürlich haben die indigene Kultur und das Thema der Ethnizität auch Musik, Film und Literatur beeinflusst. Ein Beispiel ist der zunehmende Einfluss des sogenannten andinischen Stils auf die Architektur in El Alto stadt.

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Unterwegs in Bolivien

1. Einreise

Für diejenigen, die Bolivien erkunden wollen, gibt es verschiedene Visa-Typen. Das Tourismus-Visum erlaubt einen Besuch für Tourismus oder Urlaub von bis zu 30 Tagen. Dieses Visum kann 2 Mal um jeweils 30 Tage verlängert werden und gibt es für drei Ländergruppen: Besucher der Ländergruppe I benötigen keine Stempel ins Pass, sie müssen nur ihren Aufenthalt offiziell verlängern. In dieser Gruppe finden sich z.B. Deutschland und Österreich und viele andere Westeuropäische Länder. In der Praxis bekommen viele dieser Besucher schon bei der Einreise eine 3-monatige Aufenthaltserlaubnis. Besucher der Ländergruppen II und III brauchen ein Visum (das Heiß eine Stempel ins Pass) für die Einreise.

Formal gesehen sind zur Aufenthaltsverlängerung oder Einreise ein ausgefülltes Formular, einen gültigen Pass (mit mindestens 6 Monaten Gültigkeit), eine Bestätigung der Gelbfieberimpfung, eine Hotelreservierung und ein Passfoto nötig. Das Zertifikat der Gelbfieberimpfung sollte mindestens 10 Tage vor der Einreise ausgestellt worden sein.

Letztendlich bekommen Besucher schon im Flugzeug eine Touristenkarte, die dann vor der Landung ausgefüllt und bei der Ausreise zurückgegeben werden muss.

Bolivien macht dabei einen Unterschied zwischen den Studenten, die zum Austausch in Bolivien sind und denen, die in einem gesponserten Programm kommen. Studenten benötigen für ein Visum einen gültigen Pass, einen Gesundheits-Check und Zertifikate ihres bisherigen Studiums sowie polizeilich Führungszeugnisse. Darüber hinaus sind die Einschreibungsbestätigung und für Studenten unter 18 Jahren eine offizielle elterliche Reiseerlaubnis nötig. Alle Dokumente müssen übersetzt und beglaubigt sein.

Für Geschäftsreisende gibt es ein Mehrfachvisum und ein Visum zu einem bestimmten Zweck. Zuerst, Der Bestimmte-Zweck Visum erlaubt die Einreise in Bolivien für Geschäftszwecke von bis zu 30 Tagen; dies kann auch verlängert werden. Die Voraussetzungen dafür sind wie die für das Tourismus-Visum, sowie zusätzlich Dokumente, welche den Besuchszweck belegen (selbstaus-gestellte Dokumente müssen dabei beglaubigt sein). Das Mehrfachvisum erlaubt Investoren einen Aufenthalt von bis zu 1 Jahr, womit man das Land mehrere Male verlassen und wieder zurückkehren kann. Die Voraussetzungen sind ähnlich wie bei den anderen Visa, doch sind zusätzlich Dokumente bezüglich der Firma nötig, die in Bolivien tätig werden soll, wie auch die Steuernummer.

2. Reisen innerhalb des Landes

a. Transport

Das Hauptverkehrsmittel ist der Bus. Bolivien verfügt über ein gut organisiertes Busnetz. Dabei konkurrieren zahlreiche Busgesellschaften um die Verbindungen zwischen den größten Städten. Zwar gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Busgesellschaften, aber im Vergleich zu Europa sind Busfahrten sehr günstig. Abfahrten werden in der Regel mehrmals täglich angeboten; Tickets können bei der jeweiligen Busgesellschaft vor der Abfahrt gekauft werden.

Eine Besonderheit sind die Schlafbusse, welche für lange Nachtfahrten (wie z.B. die 16-stündige Reise zwischen La Paz und Santa Cruz) eingesetzt werden. Mit weniger Sitzen in einer Reihe bieten diese Busse zusätzlichen Platz; jeder Sitz kann so verstellt werden, dass man praktisch liegt.

Bei den renommierten Busanbietern können Sie beruhigt die Busfahrt genießen. Sie sollten jedoch während der Fahrt und besonders davor und danach auf den Busterminals die grundlegenden Sicherheitsregeln beachten.

Eine andere Möglichkeit zum bequemen Reisen von Stadt zu Stadt ist das Fliegen, insbesondere für Geschäftsleute und diejenigen, die es sich leisten können. In Bolivien können sich heute mehr und mehr Menschen solche Flugreisen leisten. Die am besten ausgebauten Routen sind die zwischen den größten Städten Boliviens, wie La Paz, Santa Cruz, Cochabamba, Sucre, Potosi und Tarija. Die nationale Fluglinie Boliviana de Aviación erweitert zudem ihre Routen. Zu den weiteren Fluglinien gehören z.B. Aerocon, Amaszonas, EcoJet und TAM.

Ein flächendeckendes Bahnnetz hat Bolivien jedoch nicht, und die bestehenden Zugverbindungen sind in ein östliches und ein westliches Netz aufgeteilt. Das östliche Bahnnetz, Ferroviaria Oriental, verbindet Santa Cruz mit Brasilien und Argentinien. Das westliche, Empresa Ferroviaria Andina, verbindet Oruro mit El Alto in Richtung Norden und mit Argentinien in Richtung Süden. Aktuell gibt es auch Pläne, eine Strecke in Richtung Chile zu etablieren.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, in Tragflächenbooten oder Katamaranen bequem von/nach Copacabana, von/nach Huatajata und von/nach Puno-Peru zu fahren. Die Boote verfügen teils über komfortable, neu ausgestattete Kabinen sowie Bar und Sitze auf dem Außendeck, wodurch sich sanfte Überfahrten genießen lassen.

b. Geld

Die bolivianische Währung ist der Boliviano oder Bs. (mit Centavos, Cs.). Unter der Geldpolitik der Regierung von Morales hat die bolivianische Währung an Wert gewonnen, steht aber auch unter leichtem Inflationsdruck.

Die Währung ist in Münzen unterteilt Bs.: 5, 2, 1; Centavos (C): 50, 20, 10, 5, 2, 1) und Noten (Bs.: 10, 20, 50, 100 und 200).

In Bolivien kann man in den größeren und einigen mittelgroßen Städten sowie mittlerweile auch in vielen größeren Geschäften oder besseren Hotels sehr gut mit Kreditkarte zahlen bzw. Geld von der Bank abheben. Visa, Master Card und American Express sind die am meisten akzeptierten Kreditkarten. Zunehmend ist die Barabhebung von Bolivianos und US Dollar mit EC-Karte an Geldautomaten (Cajeros Automaticos) möglich, sofern diese das VISA Pay, MAESTRO oder Cirrus-Logo tragen.

Eher selten werden Kreditkarten in kleineren Geschäften und in abgelegenen, kleineren Städten angenommen. Darum ist es hier empfehlenswert, immer einen bestimmten Geldbetrag bei sich zu haben.

Euros und Dollars kann man problemlos in Wechselstuben (Casas de Cambio) tauschen

3. Telekomunikation und Internet

Auch im Hinblick auf die Versorgung der Telekommunikationsdienste gibt es eine Konzentration auf die Hauptstadt und die wichtigsten Städte. Die Mehrheit der Festnetzanschlüsse ist auf La Paz, Santa Cruz und Cochabamba verteilt. Das Telefonnetz wurde jedoch in den letzten Jahren wesentlich ausgebaut, so dass auch in vielen abgelegenen Orten Festnetzverbindungen zur Verfügung stehen. Die bekanntesten Telekommunikationsfirmen in Bolivien sind: Entel, Viva, Cotel, Cotas und Tigo.

Die Telekommunikationsdienste bieten mittlerweile das Hochgeschwindigkeitsinternet, wie LAN, DSL, ADSL, Cable und WiFi an.

Auch gibt es inzwischen fast überall Internet-Cafés. So ist Bolivien eines der Länder mit der größten Anzahl an Internet-Cafés. In vielen dieser Läden können auch Fotos von Digitalkameras heruntergeladen und auf CD gebrannt werden.

Das Mobilfunknetz (GSM 850,GSM 1900) ist auf die Städte konzentriert. Auf der Suche nach Anbietern findet man als die wichtigsten Entel und Nuevatel PCS de Bolivia. Die günstigste Variante ist meist eine SIM-Karte (pre-paid).

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